Titelbild zu. Aus Stuer in die Neue Welt- Wirtschaftsflucht im 19.Jahrhundert

Aus Stuer in die Neue Welt

Wirtschaftsflucht im 19.Jahrhundert

Lebensstationen von Friedrich Jens aus Stuer-Vorwerk (I)

Friedrich war noch nicht ein Jahr alt, als die Eltern Friederike und Wilhelm Jens ihn bündelten. Zusammen mit seinen fünf und sieben Jahre alten Schwestern machten sie sich auf den Weg nach Hamburg. Gemeinsam mit ihnen reiste die Familie des Bruders Johann mit fünf Kindern und dem Schwiegervater. Dazu kamen bekannte, teilweise verwandte Familien aus Stuer und den Nachbardörfern. (1)

Volkszählung 1867 Stuer-Vorwerk Katen 2 Haushalt Jens

Volkszählung 1867 Stuer-Vorwerk Katen 2 Haushalt Jens
Volkszählung 1867, Stuer-Vorwerk, Katen 2, Haushalt Jens
Stuer-Vorwerk 1980er Jahre
Stuer-Vorwerk, 1980er Jahre

Die Eltern hatten im Jahr 1870 den Entschluss verwirklicht, anderen Verwandten in die Ferne zu folgen. Diese siedelten inzwischen schon im US-Staat Wisconsin, wohin sie ein paar Jahre vorher gelangt waren.
Auf einer Auktion hatte die Tagelöhnerfamilie Jens aus dem Katen Nr.2 in Stuer Vorwerk ihre Habe versteigert, für die verbleibende Verwandtschaft keine Verwendung hatte. Für die Reisekosten benötigte sie noch einige Taler.
Die Reise hatte Vater Wilhelm bei einer Auswanderungsagentur in Röbel gebucht. Die Erlaubnis zur Auswanderung des Landesherren beantragte in diesem Fall, gleichfalls für eine Reihe seiner Untertanen, der Gutsbesitzer Flotow auf Kogel. Ob das generell so üblich war oder er der Einzige war, der zu schreiben und ein solches Schriftstück zu verfassen in der Lage war, muß hier offen bleiben. (2)

Antrag Auswanderungskonsens d. Gutsbesitzer August von Flotow für Unteranen 23.9.1870
Antrag auf Auswanderungskonsens durch Gutsbesitzer August von Flotow für Unteranen 23.9.1870

 

Antrag Auswanderungskonsens d. Gutsbesitzer August von Flotow für Haushalt Jens 23.9.1870
Antrag Auswanderungskonsens durch Gutsbesitzer August von Flotow für Haushalt Jens 23.9.1870

(Friedrichs Geschichte- orange– setzt sich später fort.)

Aus Stuer . . .

Um den Umfang und die Art der Auswanderung anderer Stuerer zu verstehen, wird hier ein Zeitraum von zwanzig Jahren betrachtet, nämlich von 1850 bis 1870.
Auswanderungen aus religiösen und wirtschaftlichen Gründen, z.T. in Folge des Dreißigjährigen Krieges, hatte es von 1683 bis 1820 hauptsächlich aus südwest deutschen Länder gegeben.
Nach 1870 gingen Wanderbewegungen von hier aus im Zuge der Industrialisierung Deutschlands vor allem in die sich damals bildenden Großstädte Berlin und Hamburg.
Hier konnte festgestellt werden, dass in der Zeit dieser zwanzig Jahre mindestens 100 Menschen, Kinder eingeschlossen, aus den vier Ortsteilen von Stuer ausgewandert waren. Das geschah fast ausschließlich in die 1776 gegründeten Vereinigten Staaten von Amerika.
Abwanderung in andere deutsche Gegenden, z.B. kurz über die nahe Grenze nach Preußen, sind damit nicht erfasst. Landesweit betraf das durchschnittlich ein Viertel der Abwanderung.(3a) Diese Bewegung käme also noch hinzu.
Der Umfang der überseeischen Auswanderung wird deutlich, wenn man sie gegen die Einwohnerzahl von Stuer vom Dezember 1867 stellt. Zu diesem Zeitpunkt hatte Stuer 450 Einwohner (Stuer und Vordermühle 174, Hintermühle 17, Stuer Vorwerk 113 und Neu Stuer 146). (Volkszählung) (Zum Vergleich: Stuer hatte 2018 in umfangreicherem Baubestand 244 Einwohner, allerdings ohne Minderjährige).
Eine solche Veränderung des dörflichen sozialen Systems durch Kommen oder Gehen dürfte nur in der Zeit der Kriegsfolge von 1945 bis 1950 übertroffen worden sein. In dieser Zeit des 20. Jahrhunderts waren etwa vierzig Prozent der Bevölkerung Fremde: Flüchtlinge und Umsiedler aus deutschen Ostgebieten und Osteuropa, die um Tod oder Lagerhaft herumgekommen waren.

Liest man Schilderungen der damaligen Verhältnisse während der Überfahrt über den Atlantik und während der ersten Jahre im Lande, liegt die Vermutung nahe, es hätten sich im Wesentlichen junge Männer auf diesen gefahrvollen Aufbruch ins Ungewisse gewagt. Das war aber nur teilweise der Fall. Von Anfang an und dann zunehmend waren auch ganze Familien mit mehreren Kindern dabei. Auch mit Säuglingen, die erst wenige Monate alt waren. Der Druck in den Dörfern und die Hoffnung, diesen Verhältnissen entkommen zu können, muss sehr hoch gewesen sein.

Im Auswanderungsbüro, Schlesinger, Felix
Im Auswanderungsbüro, Schlesinger, Felix

Auch ist zu erkennen, dass ganze Familienzweige, z.B. die Familien von Geschwistern, gleichzeitig oder zeitversetzt aufbrachen. In vielen Fällen folgten sie auch Vorausgeschickten, die schon Nachrichten über die Fahrt und die angetroffenen Verhältnisse und Möglichkeiten in die alte Heimat gesandt hatten. Man spricht von „Kettenwanderungen“, bei denen die Eigendynamik von Schwarmverhalten angenommen werden kann. Öfter wurden dabei auch Altenteiler, z.B. Schwiegerväter oder Witwen in höherem Alter, so um die Siebzig, mitgenommen.

Die Feststellung der damaligen familiären Beziehungen in und um Stuer nur aufgrund der Gleichheit der Nachnamen, ist selbst für deren heutige Nachfahren in den USA oft schwer zweifelsfrei zu klären. Namengleiche Familien streuten sich nämlich auf die nahe Umgebung: von Grüssow über Kogel, Rogeez, Darze, Altenhof, Tönchow, Zislow und Satow bis Stuer. Aus all diesen Ortschaften brachen die Menschen auf, wohl hauptsächlich nach Hamburg, dem Tor zur Neuen Welt.

Bei den Nachnamen, auch mit familiärer Beziehung in die genannten Nachbardörfer, fällt dominierend der Name Jens (oder Jenß) auf. Deshalb wurde hier auch ein allerdings später und junger Auswanderer dieser Familie, Friedrich, exemplarisch ausgewählt.
Stuer betreffend erscheinen in den verschiedenen Registraturen u.a. auch die Namen: Piehl, Puls, Pralow, Viehstedt, Jarchow, Schulz, Schröder, Sievert . . .

Einige Beispiele sollen hier herausgegriffen werden.
Schon 1850 emigrierte der Guts-„Statthalter“ von Stuer, Carl Gragert, mit seiner Frau und vier Kindern im Alter von zwei bis zwölf Jahren, mit dem Segelschiff „Howard“ in Richtung New York.

Passagierliste Segelschiff "Howard", Statthalter (Gut Stuer) Gragert,1850
Passagierliste Segelschiff „Howard“, Statthalter (Gut Stuer) Gragert,1850

(3b)

Passagierliste Segelschiff "Howard", Statthalter (Gut Stuer) Gragert,1850

1853 schiffte sich Sophia Ihrke mit drei anderen „Dienstmädchen“ und einem Knecht, aus umliegenden Dörfern, nach dem fraco-kanadischen Quebec aus. Dieses Ziel war für Stuer eine Ausnahme. Übersiedlungen nach Südamerika, Australien und Südafrika konnten bisher nicht gefunden werden.

 

Registratur von Ausreisevertägen mit Agenturen in Röbel, 1853
Aus der Registratur von Ausreiseverträgen mit Agenturen in Röbel, 1853

(4)

1857 war ein Jahr, in dem besonders viele aus Stuer auswanderten. So reiste auch  Chr. Lorenz, 1837 in Stuer- Winkel geboren, mit der Angabe „Landmann“. Ende Oktober zog er mit zwei Gleichaltrigen, vielleicht Freunden, aus Kogel und Rogeez los auf direktem Weg mit dem Dampfschiff „Hammonia“ der HAPAG nach New York.

Kopfzeile Passagierliste Dampfschiff "Hammonia ",31.10.1857
Kopfzeile Passagierliste Dampfschiff „Hammonia „, 31.10.1857,145 Passagiere (3)
Half Dime,1906, 2008 gefunden beim Graben auf ehem.Hof Schrödera
One Dime,1906, gefunden 2008 beim Graben auf ehem.Hof Schröder, Stuer-Winkel

Anfang November 1857 folgten dann, allerdings auf einem Segelschiff, der „Nord-Amerika“, 26 Personen, davon 9 Kinder, aus Stuer direkt nach New York. Dazu kamen 15 Bewohner aus Satow und Rogeez. Neben zwei Familien Jens aus Stuer war dabei auch eine dieses Namens mit fünf Kindern und einem 76jährigen Großvater aus Satow. Auch befanden sich Im Tross aus Stuer und Rogeez drei Siebzigjährige, während die Jüngsten gerade zwei Jahre alt waren.

Zur Veranschaulichung werden hier in der Folge neben den überlieferten Fakten aus dem Leben von Friedrich Jens aus Stuer-Vorwerk und Daten anderer Auswanderer aus dem Dorf eingeschoben

Briefzitate des mecklenburgischen Amerika-Auswanderers Carl Wiedow

-in der Folge in kursiver Schrift (5).

Für die Alten ist das hier nichts mehr, und für die Weichen erst recht nicht. Für die ist die amerikanische Luft zu scharf. Hier muß einer Eisen im Blut haben. . . Hier ist es nicht so gemütlich als wie zu Hause. Hier hat keiner recht Zeit. Selbst der Rauch, wenn er aus dem Schornstein kommt, dann hat er hier nicht soviel Zeit als bei euch im Dorf.“

Ich weiß nicht genau, woans das Heimweh sich regieren tut. Aber ich glaube nicht, daß es noch kommt. Nur welche von den Alten, die können das hier nicht so recht anwenden. Das ist, weil sie so spät rübergekommen sind oder sonst kein Murr (Kraft) in den Knochen haben.“

Ende Oktober 1870 folgten vier Familien aus „Alt Stuer“ und Stuer-Vorwerk mit dem kleinen Friedrich Jenß . An Bord eines relativ kleinen Dampfschiffs ging es zunächst bis zum englischen Hull. Das wird weiter unten genauer beschrieben.

Mitte November begaben sich dann noch die zwei Familien Piehl („Kuhhirte“) und Volkstädt („Tagelöhner“) mit dem Segelschiff „Dr.Barth“ in die Herbststürme des Atlantik auf den direkten Weg nach NYC. Diese Überfahrt, die etwa 43 Tage gedauert haben könnte, muß sehr strapaziös gewesen sein.

Segler "Doctor Barth", 1855
Segler „Doctor Barth“, 1855

Ergänzt werden die hier vorgestellten Fakten und die eingestreuten Zeitzeugenschilderungen in der Folge durch

Allgemeine Erkenntnisse der Migrationsforschung zu Mecklenburg

Sie sollen Antwort geben auf folgende Fragen:
Was waren fördernde und was hemmende Faktoren der Auswanderung? In welchen Dimensionen lief das ab? Welche Gründe gab es zur Auswanderung? Welche Gruppen wanderten aus? Wie lief sie ab? Was kostete die Auswanderung?
Zuletzt, auf welche Möglichkeiten trafen die Wirtschaftsflüchtlinge in den USA?

Bei Aus- und Einwanderungen gibt es stets zeitlich schwankende Faktoren, die diese befördern oder erschweren, bis unmöglich machen. Das bezieht sich, bei möglicher Ungleichzeitigkeit, auf das Herkunftsland einerseits und das Zielland andererseits.
Daraus ergaben sich im hier behandelten Zeitraum statistisch erfassbare wellenförmige Auf- und Abbewegungen, die mit sozialen und politischen Krisen einhergingen.

Die Behörden

Im 18. Jahrhundert erließ die Herzogliche Obrigkeit noch zahlreiche Verordnungen zum Verbot von Auswanderungen in andere, auch deutsche Länder und die „Verleitung“ dazu, dabei auch speziell das Verbot der Auswanderung nach Amerika (1792).(6)
Das lockerte sich nach 1815 schrittweise nach weiteren Verordnungen (1853,1857,1877).
1851 wurde von Gutsherren ein „Verein zur Förderung der Auswanderung“ gegründet. (7)
Weiterhin aber mußte eine Auswanderung beim Innenministerium beantragt werden. Das hatten etwa 75% der abgezogenen Mecklenburger auch getan.(8) Der Rest, wohl meist junge Einzelwanderer, zogen ohne „Konsens“ ab. In Hamburg oder Bremen jedoch, obgleich mit Mecklenburg im „Norddeutschen Bund“ vereint, weigerten sich die Behörden derartige Kontrollen vorzunehmen. Jene, die ihre Passage bei einem mecklenburgischen Agenten buchten, kamen am Konsens nicht vorbei. Das waren der Regel Familien, die Tickets in der Nähe des Wohnortes kaufen mußten.

Antrag Auswanderungskonsens d. Gutsbesitzer August von Flotow für Unteranen 23.9.1870
Antrag Auswanderungskonsens durch Gutsbesitzer August von Flotow für Unteranen 23.9.1870 (2)
Auswanderungsconsens Sept.1870, vier Tage nach formulierter Antragstellung erteilt
Auswanderungsconsens Sept.1870, vier Tage nach formulierter Antragstellung erteilt (2)

In den Städten betrieben Geschäftsleute Auswanderungsagenturen, die für Reedereien, die Landfahrten zum Hafen, Hotels oder auch Pauschalpakete provisionsbezogen wirkten. Sie brauchten vom jeweiligen Magistrat eine Konzession.

Registrierte Auswanderagenturen Röbel 1860/70er Jahre
Registrierte Auswanderagenturen Röbel 1860/70er Jahre (4)

Im Röbeler Stadtarchiv sind zusammengefasste Registraturen verschiedener Agenten von 1852 bis 1871 vorhanden, in denen auch zahlreiche Personen aus Stuer erfasst sind.

Aufnahmeschein einer Auswandereragentur 1858 in Röbel
Aufnahmeschein einer Auswandereragentur 1858 in Röbel (4)
Auswandererreise-Vertrag einer Agentur in Röbel, 1880
Auswandererreise-Vertrag einer Agentur in Röbel, 1880 (4)

Ob auch in Malchow oder Plau solche Agenten wirkten, bei denen möglicherweise Auswanderungswillige aus Stuer gebucht hatten, können die jetzigen Archivbetreuer nicht sagen. Unterlagen sind nicht vorhanden oder erschlossen.

Das Ausmaß

Im hier betrachteten Zeitraum war, auf Europa bezogen, der Anteil der Mecklenburger Übersiedler im Verhältnis zur Bevölkerungszahl nach denen Irlands und Galiziens an dritter Stelle (9). In den Passagierlisten sind daneben aber auch Dänen, Schweden, Preußen (damit auch Pommern), Schweizer und Angehörige des Vielvölkerstaates Österreich-Ungarn in größerer Zahl zu finden.
In Mecklenburg kamen die meisten nicht aus den Städten, sondern vom Lande (88%), dort insbesondere mit 60% Anteil aus den Gebieten der ritterschaftlichen Ämter (10).
Die Wellen der Auswanderung aus Stuer, also die unterschiedliche Häufigkeit pro Jahr, mit den Spitzen 1854, 1857, 1870, entwickelte sich parallel zu den allgemeinen Zahlen für Mecklenburg-Schwerin. Die wiederum stehen in bedingtem Zusammenhang mit Zahlen aus anderen deutschen Ländern, zu jener Zeit allerdings auf hohem Niveau.(11)

Auswanderung Mecklenburg/ DEutschland 19.Jh., Lubinski, A.,Aus d. Untertanenverband entlassen, 1997, S.115

Die Gründe

Direkte Faktoren für die Ausreisen, teils fördernd, teils behindernd, waren die Kriege 1864, 1866 und 1870/71, die zumindest in den Auswirkungen, z.B. die Möglichkeit die Häfen zu erreichen, auch Norddeutschland betrafen.
Neben dem Bestreben junger Männer, der Militärpflicht zu entrinnen, war es vor allem der Wunsch der Untertanen, für sich und ihrer Kinder die aussichtslosen Lebensbedingungen zu verbessern. Auch nach der Aufhebung der Leibeigenschaft 1822 und dem Zurücknahme der Zugeständnisse nach der 1848er Revolution durch die besitzende und herrschende Klasse, war das im Ständestaat so gut wie unmöglich.
Ein Druck-Faktor war die „Regulierung“ der Bauernstellen. Andere auswanderungsfördernde Faktoren waren rasches Bevölkerungswachstum während gleichzeitiger Missernten, die beginnende Mechanisierung der Landwirtschaft und die Rekrutierung ausländischer Saisonarbeiter.
Neuere Studien meinen: „…, dass die Migration im 19. Jahrhundert zu 20 bis 30 Prozent indirekt“ auf klimatische Veränderungen zurückzuführen ist. „Es wird deutlich, dass es eine Kettenreaktion gab: Schlechte klimatische Bedingungen führten zu geringen Ernten, steigenden Weizenpreisen und schlussendlich zur Flucht.“(12)

Bei steigenden Geburtenraten gab es offenbar für einen bedeutenden Teil der Bevölkerung keine Hoffnung, eine Verbesserung ihres Lebens im Heimatland zu erreichen, das eben nicht das eigene war. Eine Vorstellung vom „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ überstrahlte die nicht geringen Risiken der Wege dorthin und der Anfänge im gelobten Land.

Werbung für Deutschsprachige Einwanderer
Werbung für Deutschsprachige Einwanderer

Mutig entschlossene Vorausreisende schickten Nachrichten in die mecklenburgischen Katen. Dazu kamen Zeitungsartikel und Anzeigen, die sich wohl mündlich verbreiteten.

Bromme Hand- und Reisebuch für Amerika, 1866
Bromme Hand- und Reisebuch für Amerika, 1866

Kosmopolitische Heilsversprechen trotz unbekannter Strapazen, statt Sicherheit in festgefahrener Armut, waren in dieser Phase der Globalisierung ein Sehnsuchtsthema in den Dörfern, bemerkenswert für Leute, die meist weder Lesen noch Schreiben konnten.

Titelzeile US-Zensus, Fragen nach Alphabetisierung, 1870
Titelzeile US-Zensus, Fragen nach Alphabetisierung, 1870

Die Hauptgründe der mecklenburgischen Auswanderung sah 1850 das prominente Mitglied der Ritterschaft Graf von Bassewitz darin, „daß es den Gesamtverhältnissen unserer ritterschaftlichen Tagelöhner sogar mit den schlimmsten Seiten der wirklichen Sklaven an unmittelbaren Vergleichspunkten nicht fehlt.“(13)
Die Generalversammlung des „Mecklenburgischen Patriotischen Vereins“, von Landadligen zur Wirtschaftsförderung gegründet, sah 1865 auf Grund von Erhebungen folgende Ursachen: „1. Alle Hindernisse, die der Verheiratung und Niederlassung entgegenstehen. 2. Die Gebundenheit des Arbeiters, die es ihm nicht gestattet, den Ort und die Art der Arbeit frei zu wählen. 3. Die Beschränkung des Gewerbes, besonders auf dem Lande. 4. Die Schwierigkeit, freien kleinen Grundbesitz zu erwerben. 5. Günstige Berichte der Ausgewanderten.“ (13)

Das waren die Druckfaktoren der besonders in Mecklenburg heftig verteidigten feudalen Verhältnisse. Denn mit dem Großgrundbesitz verbunden war weiterhin die widersprüchliche personifizierte Einheit von öffentlich-rechtlichen Befugnissen und privatrechtlichen Einzelinteressen des lokalen Adels.

Der Spätherbst als denkbar ungünstige jahreszeitliche Reisezeit vieler Auswanderer, ergab sich aus der Erntezeit, in der die Arbeitskräfte auf den Gütern noch gebraucht werden konnten. In zunehmendem Maße wurde diese jedoch von den Gutsbesitzern durch wandernde „Zeitarbeiter“ aus Polen ersetzt, die in der Saison in Schnitterkasernen untergebracht wurden. Für diese brauchte keinerlei soziale Verantwortung übernommen werden. Eine zeitlose Idealsituation für Profitmaximierung unter Bedingungen von globalisierter Wirtschaft. Deshalb gab es von dieser Seite, anfangs auch vom Landesherren, zum Teil finanzielle Zuschüsse zur Auswanderung.

Es war allerdings nicht so, dass die Allerärmsten, die sich in unmittelbarer sozialer Not befanden, emigrierten. Für die meisten waren die Verhältnisse auf den Dörfern außerordentlich bescheiden, aber nicht existenziell gefährdent.
Stuer betreffend, dominieren bei den dürftigen Angaben in den Quellen zu Stand, Beruf bzw.Tätigkeit, die Begriffe: Tagelöhner, Arbeitsmann, Knecht und bei jüngeren Frauen, Dienstmädchen. Darunter waren sehr wenige konkretere Tätigkeitsbezeichnungen wie Stellmachergeselle, Reitknecht oder Ziegler.

Die Kosten

Durch Sparsamkeit, Verkauf von Hofinventar und bescheidenem Viehbestand konnte die Auswanderung mit eigenen Mitteln und der Hilfe naher Verwandter, die sich auch schon im Zielland befunden haben konnten, finanziert werden.
„Recht gute Voraussetzungen . . . hatten die Hoftagelöhnerfamilien und Gesindeangehörigen aus den . . . Gutsdörfern. Sowohl die Knechte und Mägde, als auch die Hoftagelöhner und ihre Familien konnten die wichtigsten unmittelbaren Lebensbedürfnisse (Wohnen, Essen, teilweise Bekleidung) aus kontinuierlich zur Verfügung stehenden Naturallohnelementen abdecken. Dadurch war es Angehörigen dieser sozialen Gruppen eher möglich, Teile ihres Lohnes zu sparen, als beispielsweise den „freien“ Tagelöhnern auf dem Land oder in der Stadt. Für Knechte und Mägde genügte theoretisch schon der Bargeldanteil von ein bis zwei Jahreslöhnen zur Finanzierung der Auswanderung, so daß sich ein solches Sparziel stets in realistischer Nähe befand.“ (14 )
Bei größeren Familien kamen allerdings schon höhere Summen zusammen.

In den 1850er Jahren konnten Überfahrten von Hamburg nach New York
im Zwischendeck eines SEGELschiffs gebucht werden:
Erwachsene 32-36 rt (Reichstaler)
Kinder bis 8/10Jahre 26-30 rt
Säuglinge unter einem Jahr frei bis 3 rt

Im Zwischendeck eines DAMPFschiffs
Erwachsene 50 rt
Kinder bis 8 Jahre 44 rt
Säuglinge unter einem Jahr frei
(15)

Die Gesamtkosten ab Heimatort gibt Jackewitz für 1870 „auf über 45 Taler pro Person an (Kaufkraft des Talers ca.21 Euro)“ (16)

 . . . über den Atlantik. . .

Friedrich (II)

Eine so große Stadt wie Hamburg, mit so vielen Menschen und einem geschäftigen Hafen mit Schiffen dieser Größe, hatten auch die Erwachsenen dieser Gesellschaft aus der Umgebung von Stuer noch nie gesehen. Fast täglich gingen hier Segelschiffe und Dampfer in verschiedene Teile der Welt ab. So auch nach Melbourne, Südafrika, Südamerika und Quebec.

German emigrants boarding1850 a ship in Hamburg
Emigranten besteigen1850 ein Schiff in Hamburg

Am 25.Oktober 1870 bestieg Familie Jens mit ihrer kleinen transportablen Habe das Unterdeck des Englischen Dampfseglers „British Queen“. Mit etwa fünfzig anderen Passagieren aus Russland, Österreich-Ungarn und Dänemark gelangten sie so über die Nordsee.

British Queen,25.10.1870, 29 Passg.
British Queen, 25.10.1870, (3)

"British Queen",Ölgemälde von Samuel Walters,National Museums ans Galleries an Merseyside, Liverpool

„Morgens zwei Uhr dampften wir die Elbe hinunter. Ich schlief oben, und die Ochsen brüllten unten. Kurz vor zwölf kamen wir auf die Nordsee. So was habe ich in meinem Leben nicht gesehen. Lieber Freund, ich kann dir mitteilen, daß die Nordsee viel Wasser in sich hat.“

Passagiere der "British Queen",25.10.1870 (mit falscher Herkunftsbezeichnung)
Passagiere der „British Queen“,25.10.1870 (mit falscher Herkunftsbezeichnung)

„Am Nachmittag wurde es stürmisch, und das Schiff legte sich doll auf die Seite.
Dann mußten wir alle nach unten, und die Tür wurde geschlossen. Das Schiff rollte, die Ochsen brüllten, die Frauensleute heulten, und alle steckten die Köpfe in die Eimer. Die welchen (etliche) schrien auch zu Gott.
Abends ging ich auf das Deck. Da hab ich die ganze Nacht gesessen, weil es unten vor Gestank nicht auszuhalten war. Oben war es schwarz wie ein Sack, aber die Luft war gut zum Verholen.“

Die anschließende Eisenbahnfahrt der Gruppe aus Stuer von der Ostküste quer über die Britische Insel war von den Agenten der Gesellschaft „Georg Hirschmann“, vorbereitet, die man mit anderer Bewertungsabsicht auch Schlepper nennen könnte.
In Liverpool hatte ein Deutscher für Ankömmlinge ein Hotel gegründet, in dem sie die Zeit bis zur weiteren Schiffsabfahrt abwarten konnten. Auswanderung war an verschiedenen Orten zu einem lukrativen Geschäft geworden.

Liverpool: „Ich hatte kein Geld und mußte dableiben, denn ein Segelschiff ging man alle zwei Wochen.
Endlich kam das Schiff, und als ich es besah, siehe, da war es alt und wackelig, und ich dachte: Wenn dieser verolmte (vermoderte) Kasten nach Amerika kommt, dann ist das Gottes Wille. Rum hilft hier auch nicht mehr. – Auf dem Schiff waren bei vierhundert Menschen, meist Irländer. Die Lebensmittel wurden gleich auf dem Deck verteilt: ein Pfund Zucker, ein Pfund Tee, den hatte ich schon bei euch gesehen, aber im Munde kannte ich ihn noch nicht. Weiter ein Pfund Reis, ein Pfund Kornmehl, ein Pfund Pökelfleisch, ein Pfund Kringel und Zwieback. Der war so hart, den mußten wir erst mit dem Hammer entzweischlagen.“

In Unterdeck des Britischen Post-Dampfseglers TARIFA der Cunard-Linie ging es dann für die Mecklenburger über den Atlantik, um am 14. November 1870 in Boston, Massachusetts wieder festen Boden unter die Füße zu bekommen.

Cunard Line, u.a. Tarifa
Cunard Line, u.a. Schiff Tarifa

„Das Schiff aber fuhr unterdes immer weiter, ohne Wegweiser, ohne Traden (Wagenspuren) und Geleise. Das Blaue auf dem Wasser wollte gar nicht aufhören, und zuletzt war uns allen ganz wässerig und elendig zumute von all dem Wasser. Viele wurden auch krank. Wir dachten schon, daß Amerika gar nicht mehr kommen täte, und einer sagte: Ihr sollt mal sehen, dies geht nicht mit rechten Dingen zu, und wir werden noch ganz von der Erde runterfahren. Aber der Mensch kommt nirgends runter von der Erde, so weit er auch reist; höchstens kommt er in die Erde. Wir hatten uns auch alle steif gesessen und gelegen, weil wir uns nicht ordentlich ausarbeiten konnten. Schade, daß da nicht ein paar Faden Holz kleinzumachen waren oder ein paar hundert Ruten Roggen zu mähen.“

Auswanderer im Unterdeck
Auswanderer im Unterdeck

Bei der Fahrt in den Stürmen der ersten Novemberhälfte waren hauptsächlich viele Iren mit wenigen Kindern an Bord .
Diese Fahrt war so aufregend und beängstigend, dass Friedrichs Mutter Friederike die Möglichkeit, den Kleinen zu Stillen, abhanden gekommen war. Unter den räumlichen und hygienischen Bedingungen einer solchen Fahrt zu jener Zeit war dies eine lebensbedrohliche Angelegenheit. Zum Glück fand sich als Amme jedoch eine mitreisende Mutter, wahrscheinlich die Frau des Bruders von Wilhelm, die mit einem etwa gleich altem Säugling unterwegs war.

„Dat war man bannig knapp. . .“

Schiffe/Verkehrsmittel

Erst die sich entwickelnden Verkehrsmöglichkeiten auf dem Lande durch Chaussee- und Eisenbahnbau ab der Mitte des Jahrhunderts ergab erschwingliche Bewegungsmöglichkeiten. Wie die Mehrzahl der Reisenden nach Hamburg kamen, zu Fuß, per Postkutsche, Eisenbahn oder auf der Elbe, konnte hier bisher nicht ermittelt werden.

Auswandererwagen zum Hafen, 19. Jh.
Auswandererwagen zum Hafen, 19. Jh.

Im ersten Drittel des 19.Jahrhunderts waren Übersee-Schiffpassagen von Le Havre, Antwerpen und Rotterdam üblich. Danach begann Bremen ein wichtiger Ausgangshafen für Mitteleuropa zu werden (nach Lubinski für 30% der Mecklenburgischen Auswanderer (17)). Nach einer Verordnung des dortigen Senats von 1832 mussten die Schiffe als seefest gelten, eine Passagierliste vorgelegt werden und Lebensmittel für 90 Tage an Bord haben.(18) Von dort sollen bis 1900 ca. 7 Millionen Menschen aus ganz Europa abgereist sein. (Die Passagierlisten aus Bremen sind leider aus Platzgründen vernichtet worden.) Hamburg zog dann nach, so dass die meisten Mecklenburger wohl schließlich von dort in See stachen.

Auswandererschiff, in: Die Gartenlaube, 1854
Auswandererschiff, in: Die Gartenlaube, 1854

Die Auswanderer fuhren zunächst mit Segelschiffen, dann Dampfseglern und später reinen Dampfern nach Amerika. Um 1865 herum schlug der Anteil der Dampfschiffahrten zu Ungunsten der Segler um. Mischformen waren die Dampfschiffe mit Hilfssegeln.
Die schon erwähnte, länger dauernde, aber preiswertere Variante war die über England. Dies nutzten etwa 1/3 der Überseereisenden.(19) An der dortigen Westküste legten die Schiffe nach New York oder Boston ab.

Liverpool -New York, Schiffspassagen, 1852
Liverpool -New York, Schiffspassagen, 1852

Jedenfalls konnte die Fahrzeit von 43 Tagen später bis auf ca. 14 Tage reduziert werden. Weil mehrere Linien konkurrierten, stieg der Unterbringungs- und Versorgungsstandard und sanken auch die Preise. Damit konnten auf den Schiffen ausbrechende Krankheiten wie Typhus, Cholera und Pocken zurückgedrängt werden. Der US-Kongreß erließ eine Bestimmung, dass für 100 Personen eine Toilette und jeden Reisenden 1,3 qm Fußboden bereit zu stellen seien.(20)

Cunard Line, New York-Liverpool, 1875
Cunard Line, New York-Liverpool, 1875

Meist waren wenige Wohlhabendere in Kajüten untergebracht, während die überwiegende Mehrzahl der Fahrgäste im Unterdeck befördert wurden. Auch Fracht, Post und Tiere konnten an Bord sein.

Passgierliste TARIFA Liverpool-Boston, 14.Nov.1870
Passgierliste TARIFA ,Liverpool-Boston, 14.Nov.1870

. . . in die Neue Welt!

Friedrich (III)

In Boston angekommen, bestieg die Familie Jenß aus Stuer die Eisenbahn und fuhr damit über Albany, Buffalo, Cleveland und Chicago nach Milwaukee am östlichen Ufer des Michigansees.

Eisenbahnnetz um 1870 im NO der USA
Eisenbahnnetz um 1870 im NO der USA

Dort wurde sie von Verwandten mit einem Pferdeschlitten erwartet und nach Fond du Lac, was heißt “ Am Fuß des Sees“ (Winnebago), geholt. Von französischen Pelztierjägern aus dem Norden gegründet, lebten dort 1870 schon knapp 13 000 Einwohner.
Die indianischen Ureinwohner waren zu dieser Zeit nach dem „Indianer Entfernungs Gesetz“ (Indian Removal Act) von 1830 weitgehend vertrieben oder getötet worden. Während weiter westlich dieser Vorgang gerade im Gange war, konnte „The German Triangle“, das Deutsche Dreieck, zwischen Milwaukee (Wisconsin), St. Louis (Missouri) und Cincinnati (Ohio) wohl so weitgehend unblutig aufgeteilt werden.
Deutsch geprägte Wohnviertel mit eigenen Schulen, Kirchen, Vereinen und Theatern entstanden.

Wilhelm und Frederike Jens aus Stuer Vorwerk, die Eltern, im ersten Drittel des 20. Jh.
Wilhelm und Frederike Jens aus Stuer-Vorwerk, die Eltern, im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts

Dort verbrachte Fred, wie er jetzt hieß, die nächsten sieben Jahre seines Lebens.
Er ging in die Lutherische Kirche und besuchte drei Jahre die Schule. Dies war die einzige formale Ausbildung, die er je bekam.

Als Fred acht Jahre alt war, siedelte sich die Familie nördlich des erwähnten Sees Winnebago in Outagamie County (Bezirk) an. Das heißt, indianisch: Menschen vom gegenüber liegenden Ufer.
Nach religiösen Belehrungen wurde er in der evangelischen Variante des Mährischen Glaubens konfirmiert.

„Die Kinder lernten biblische Geschichte, Katechismus und Gesang. Die meisten konnten nicht lesen. Pflügen, mähen, reiten und fahren, ja, das konnten sie alle. Lesen konnten sie nicht; es ist auch schwerer. Ja, wenn man die Buchstaben mit der Harke zusammenfassen könnte! – Er sprach es ihnen vor, und sie sprachen es nach, bis sie es wußten. So lernten sie in zwei Wintern doch ihre zehn Gesänge und mehr und sangen sie auch.“

Als Zimmermanngehilfe beim Bau des dazugehörigen Kirchenbaus machte Fred dann erste Erfahrungen in der Holzbearbeitung.

„Weil wir mal gesagt haben, daß Kirchenglocken sich schön anhören tun, darum müssen wir nun eine Kirche bauen. . . Wir machten gleich in den nächsten Tagen den Anfang, denn den Platz hatten wir schon vorher ausgesucht. Wir nahmen die paßrechten Bäume nieder. Streben, Stützen, Balken, Bretter: alles wurde vermessen und zugeschnitten. Aber Dielenbretter und innen die Verschalung, dazu nahmen wir Ahorn. Es war ein saures Stück Arbeit, denn es war hartes Holz, und die Säge ging wie in Eisen. Die Steine zum Fundament mußten wir auch erst den Hügel raufwälzen. Aber es ging schnell vorwärts, denn wir arbeiteten mit Freuden und nicht mit Seufzen. Als Palmsonntag ins Land kam, da war sie hoch. Ostern hielten wir zum erstenmal Kirche im Rohbau, und Pfingsten läuteten die Glocken zum erstenmal. Da standen wir unten auf dem Kirchhof und nahmen die Hüte und Mützen ab und beteten. Und als wir das getan hatten, freuten wir uns wieder, und alle waren zufrieden.“

Mit 15 Jahren begann er in den Wintermonaten in die nördlichen Wälder von Wisconsin zu ziehen. Zwischen Sonnenauf und -untergang wirkte er unter den winterlich harten Bedingungen als Holzfäller/ Säger und Arbeiter in Holzlagern.

Familie Jens aus Stuer-Vorwerk, 1898 in den USA
Familie Jens aus Stuer-Vorwerk, 1898 in den USA, Friedrich (Fred) war da fast dreißig Jahre als

So verbrachte er über ein Dutzend Winter in den Nordwäldern, bis er mit 28 Jahren Laura Koss in der Evangelisch- Lutherischen Kirche heiratete. Fortan arbeitete er vor Ort als Zimmermann. Das Ehepaar bekam in den nächsten sieben Jahren zwei Töchter und zwei Söhne. Im Jahr 1899 kaufte die Familie eine 100 acre-Farm (40,47 ha). Die zugehörige Scheune brannte aber bald darauf ab. Nach ein paar Jahren konnten sie dann den Schaden ersetzen. Noch heute soll die Liegenschaft als Milchviehbetrieb in Familieneigentum sein.

„Für gewöhnlich rechnet man 160 Acker als eine Farm, weil die Regierung das von Anfang an als eine Heimstätte an die Ansiedler abgab. Sie hat alles Land in Quadratmeilen abmessen lassen, und ein öffentlicher Weg, eine Road, geht ringsherum. So kommen auf jede Quadratmeile vier Farmen zu 160 Acker.“

Bei der Auswanderergruppe, die hier betrachtet wird, handelte es sich z.B. nicht um Kaufleute aus Galizien, Schiffbauer aus Schweden oder Geistliche aus Würtemberg, die auf den Schiffen mit unterwegs waren. Weil sie Menschen aus dem landwirtschaftlichen Bereich waren, hatten sie vorrangig EIN Ziel. Sie wollten etwas, das ihnen in Mecklenburg verwehrt war, ein Stück Land. Bei tatkräftigem Einsatz sollte es sie ernähren können. Aber es sollte kein Pachtland sein, mit dem in Mecklenburg die legale Willkür adliger Lokalherrschaft erlebt worden war.

„Und warum ich ausgewandert bin, das will ich dir auch sagen. Ich wollte frei werden und eigen Grund und Boden unter den Füßen haben. Nicht bloß ein paar hundert Ruten Pachtland, sondern was zu vererben für die Kinder..“

Weil die meisten der mecklenburgischen Landbewohner praktisch trainiert oder veranlagt, vielseitig und selbstgenügsam waren, hatten sie dafür gute Voraussetzungen. Waren es doch Eigenschaften, die für die pioniermäßige Ansiedlung in der Landwirtschaft des amerikanischen Westens von Vorteil waren.

„Was glaubst du wohl, wie klug einer ist, wenn er rüberkommt? So dumm as en Daglöhnerfarken, einer wie der andre. … Aber das verlernt sich bald. Einer wird hier auch ganz anders rumgestoßen als drüben, und wenn man erst ein paarmal ordentlich angeeckt ist mit seinem dicken Kopf, dann lernt man bald Vorsicht und fest auf den Beinen stehen und fest zufassen. Wer das nicht kann, der soll das Reisegeld sparen; der soll Deutschland nicht mit dem Rücken ansehen. Dor is de Minsch noch den leiwen Gott sin Dummerjahn. Hier gilt das nicht so recht. Hier sitzt den meisten ihr lieber Gott im Geldkasten.“

Viele scheiterten, auch an Selbstüberschätzung, Hunderttausenden aber gelang das neue Leben. Nach der Deportation der Urbevölkerung wollten sie ihren Anteil an der Landaneignung. Durch Verschiebung der Siedlungsgrenze nach Westen, die durch das „Heimstättengesetz“ von 1862 beschleunigt wurde, war die Landnahme durch Siedler legalisiert worden. Die Regierung verkaufte ihnen dieses Land sehr preiswert mit dem Ziel einer raschen Besiedlung. Fünf Jahre straffreies Leben vorausgesetzt, folgten deren Einbürgerungen in der Regel. Die Reste der indianischen Bevölkerung erhielt diese erst 1924.
Der Weg, die extensive Bodennutzung der Ureinwohner durch intensivere der weißen Europäer abzulösen, war somit geebnet.

Fred Jens Einbürgerungsurk.1914
Einbürgerungsurkunde, Fred Jens, erst 1914

„Mit einer Idee, wie du das nennst, bringe ich es auch nicht zu einer Farm. Der Weg geht durch viel Arbeit. Aber gerade der kleine Mann, der Tagelöhner, wird hier eher selbständig als drüben..“

Die eingewanderten Landerwerber hatten fünf Jahre Zeit, den Kredit für das übernommene Land zu tilgen. Als Unwägbarkeiten blieben dann nur noch Unwetter, Kriege, Krankheiten oder eigene Fehler. Das aber kannten sie aus der Heimat. Die von der Regierung vermessenen Grundstücke waren wie auf dem Schachbrett gelegen.

„Ich fragte: Warum mietest du dir keinen Knecht aus deinem Dorf? – Wir haben hier keine Dörfer; hier wohnt jeder für sich auf seiner Farm..“

In den Anfangsjahren begannen die Siedler noch unmittelbar nach der Ankunft, z.T. im Spätherbst mit dem Bau von abdeckbaren Erdlöchern. Nach der Feldbestellung in der nächsten Saison konnten diese dann, auch nach Rodungen in angrenzenden Gebieten, durch den Bau von Blockhütten abgelöst werden. Solidere Farmhäuser, Scheunen und Stallungen folgten später.

Unbekannte Siedler vor improvisiertem Haus
Unbekannte Siedler vor improvisiertem Haus

„Das erste, was wir taten, das war, wir bauten uns ein Blockhaus. Holz war genug da. Ich habe die Bäume ausgesucht und runtergenommen. Ich habe sie grob zugehauen. An die vier Ecken des Hauses stellte ich vier mächtige Baumstämme; die konnten schon einen Sturm aushalten. Die andern legte ich quer. Da waren die vier Wände fertig. Die Ritzen machte ich mit Lehm dicht. Etwas Kalk kam auch noch drüber; draußen auch. Das sah besser aus und hielt sich auch besser.“
und
„Als das Haus fertig war, schlug ich den Busch nieder. Ich wurde Holzhauer. Die Axt fraß den Wald. Ich machte eine Masse Brennholz. Ich brauchte damit viele Jahre nicht zu sparen. Das Buschholz hab ich meist gleich verbrannt. Ich legte das Haus frei. Ich schob den Wald zurück. Jahr für Jahr tat ich das. Wenn’s ging, rodete ich die Stämme aus. Saßen sie zu fest, so ließ ich sie stehen. So pflanzte und säte ich um die Stubben rum. Das sah bunt aus. Aber was das nachher für Korn gab, das glaubst du nicht. Halme wie dickes Rohr. Später sprengte ich die Stubben mit Dynamit. Das geht am schnellsten. Zwei Pferde schaffte ich mir auch an. Für den Anfang war das genug. Wege waren nicht da. Wo man fahren kann, da ist der Weg. So lautete hier die Wegeordnung. Wir hatten sie selbst gemacht.“
„Grade Wege konnten wir erst nach vielen Jahren bauen. Jetzt ist das auch allright. Jetzt sind die Wege auch grade. Erst waren sie bannig krumm.
. . . ich machte Jahr für Jahr mehr Busch zu Ackerland und Weide. Ich schob den Wald immer weiter zurück. Jetzt ist er hier schon dünn geworden. Dafür ist das Land teurer.“

Weil im weiteren Verlauf die Auswanderer an vielen Orten mit verwandten Familien oder Bekannten aus der Umgebung der alten Heimatdörfer siedelten, konnten sie sich beim Bau der Unterkünfte, beim Feldbau und der Anlage von Friedhöfen gegenseitig helfen. In den folgenden Jahren kam es dann oft zum gemeinsamen Bau einer Holzkirche und eines Schulhauses, die vorherige Improvisationen der Liturgie in privaten Räumen ersetzen konnten.

In etlichen Staaten des mittleren Westens wurde zunächst vorwiegend deutsch gesprochen. Nicht selten bestanden Nachbarschaften fort, die schon in der alten Heimat existierten und auch Heiraten zur Folge hatten. Es war üblich, deutschsprachige Lehrer und Pastoren zu engagieren. Die konnten auch aus der alten Heimat angeworben sein.

German Population in USA,1872
Deutschsprachige Bevölkerung in den USA,1872

„Unser Pastor ist seinem Herkommen nach aus Pommern. . . Darum ist er auch ein Plattdeutscher und paßt zu uns. Sein Vater ist ein Bauer gewesen, darum paßt er erst recht zu uns. . . Unsen Preister geiht dat Plattdütsch bannig fix von’n Mund weg. Aber auf der Kanzel ist er hochdeutsch. Da predigt er Gottes Wort lauter und rein nach der Schrift und dreht nicht lange dabei herum.
…. , ich kann dir mitteilen, er posaunt mit großer Kraft und herrlichen Wörtern auf der Kanzel. Seine Wörter sind wie ein richtiges Donnerwetter und haben keine Handschuhe an. Damit fährt er uns über die Ohren und Herzen, daß sich eine Ehrfurcht auf unsre Seelen setzt. Das ist, als wenn Gottes Gericht mit Blitz und Donner kommt. Damit predigt er uns so zusammen, daß wir vor lauter Angst der Seelen seufzen und schwitzen, und er schwitzt auch.“

Die Sprache, für die Norddeutschen das Platt und niederdeutsche Bräuche waren in der Situation für die Pionier-Siedler wie ein Gewissheiten vermittelndes
Geländer.

„Das sind die alten, frommen Lieder, die wir bei dir in der Schule gelernt haben. Siehe, sie sind mit uns über das große Wasser gefahren. Auf dem Ochsenkarren sind sie mit uns in den Busch gezogen, und im Blockhaus haben sie bei uns gewohnt. Sie sind verdeckt gewesen unter Schweiß und Arbeit, aber sie sind wieder aufgewacht. Sie sind mit uns ins neue Haus gezogen, und jetzt spielen unsre Kinder sie auf der Orgel, und wir singen sie abends zur Andacht.“

„Unter sich reden sie ja meist englisch. Darum müssen wir sorgen, daß sie auch deutsch lernen. Das tun wir auch, und die deutschen Lieder helfen uns dabei.“

Das hört sich nach gelassener Traditionspflege an, weniger verbissenem Identitätswahn.
Ebensolche kollektiven Sicherheiten schaffte die Religion. Diese manchmal in anderen, vorher nicht gekannten speziellen Ausprägungen. Auch dürfte dabei ein Wandel im sozialtechnisch nutzbaren Teil der Religion eingetreten sein: Weg von der Stützung feudaler Obrigkeiten und steter Quelle tapferer Zuversicht in Deutschland, hin zu stärkerer Freund-Feindkennung, zumindest in ethnischer Hinsicht im Missionsgebiet, verbunden mit christlichem Arbeitsethos.
Neben der Gemeinschaftspflege der Gruppe war damit die Überführung gottgegebener Allmende in kapitalisierbares Privateigentum abgesegnet, der Sprung in die neue Welt-Zeit.

„Endlich waren wir in Hudson. Da kam ein sehr schöner Wagen. Darin saß ein Herr, der hatte sich sehr hübsch angezogen. Ich nahm meine Mütze ab und sagte: Das ist wohl der Großherzog von Amerika. Nein, sagte mein Franzose, wir haben hier keinen Großherzog. Da setzte ich meine Mütze wieder auf und dachte: Wo kann das Land leben ohne Großherzog?“

Auf den weltlichen Acker kamen vor allem Weizen, Mais, Hafer und Kartoffeln. Der Überschuß konnte auf den Märkten der rasch wachsenden Städte wie z.B.Chicago, gut umgesetzt werden. Sobald neben Pferden und Ochsen auch Kühe angeschafft werden konnten, spielten Weide- und Milchwirtschaft eine größere Rolle.

Von Seiten des Ankunftslandes wirkten auf den Verlauf der Einwanderung das Auf und Ab der wirtschaftlichen Konjunktur und der Bürgerkrieg von 1861 bis 1865. Das Ziel waren allerdings die Nordstaaten, weshalb es eher mobilisierend wirkte.(21) Im Sezessionskrieg wurden vom Norden nicht nur 180 000 schwarzafrikanisch Stämmige bewaffnet, die in der Folge insgesamt, jedenfalls auf dem Papier, das Bürgerrecht bekamen, sondern auch Ankömmlinge aus Europa, die sich rekrutieren ließen.

Seit 1790 fanden in den USA in vollen Jahrzehnten Volkszählungen statt, bei denen Familienangehörige, Alter, Herkunft und mögliches Eigentum festgehalten wurden. Diese Ergebnisse, einschließlich Wirtschaftsdaten, betrafen Alle und waren allgemein öffentlich zugänglich ( 2019: Oho! ).
Heute leben in den USA „sechzig Millionen Menschen, die mindestens einen direkten deutschen Verwandten“ haben.(22) Viele davon stammten aus Mecklenburg und Pommern, etliche auch aus Stuer und den umliegenden Dörfern.

Friedrich (IV)

Die meiste Zeit seines Lebens in den USA arbeite Fred aus Stuer -Vorwerk als Bauer.

„ …, ich bin hier zu Hause. Hier ist ja auch meist alles plattdeutsch und aus Mecklenburg. Und dann bin ich in jungen Jahren rübergekommen. Ich habe hier geheiratet. Ich habe hier eine gute Familie gereest. Ich habe hier gebaut. Ich habe hier gesät und geerntet. Ich habe hier viel Schweiß auf dem Acker liegen, und der Schweiß tut hier sein Ding gerade so gut als drüben. . . Im Dorf wär ich bei aller Arbeit doch man Tagelöhner geblieben und, wenn’s hoch kam, Häusler, und meine Kinder wären wieder Tagelöhner geworden. Wir haben hier auch scharf ranmüssen, viel schärfer als in old Country. Das muß wahr sein. Aber dafür hab ich auch mehr vor mich gebracht. Das muß auch wahr sein. Hier hab ich mich frei gemacht. Hier stehe ich mit meinen Füßen auf meinem eigenen Boden und taglöhnere nicht beim Bauern. Das Freisein ist schon ein paar Eimer Schweiß wert.“

Nach seiner Pensionierung lebte Fred in der Familie seines Sohnes und verstarb nach einjährigem Aufenthalt in einem Pflegeheim.
Der kleine Junge, der im Jahr 1870 auf dem Atlantik im Unterdeck fast an sein Ende kam, starb 1967 nach 97 Jahren. Er überlebe seine sieben Jahre jüngere deutschstämmige Frau um elf Jahre und hinterließ damals vier Kinder, acht Enkel und 12 Urenkel.

Zusammenfassung

Zwischen 1850 bis 1870 sind aus Stuer (1867: 450 Einwohner) mindestens 100 Menschen nach Nordamerika ausgewandert.
Dabei sind auch ganze Familienzweige gleichzeitig oder zeitversetzt losgezogen. Sie folgten zum Teil Vorgängern, die Nachrichten über die Fahrt und angetroffene Möglichkeiten in die alte Heimat gesandt hatten.
Als Reisevermittler dienten Agenturen, z.B. in Röbel.
Aus Mecklenburg wanderten im europäischen Verhältnis besonders Viele aus.
Hier kamen sie hauptsächlich vom Lande, insbesondere aus den Gebieten der ritterschaftlichen Ämter.
Auswanderungsgründe waren die „Regulierung“ der Bauernstellen, Missernten, die beginnende Mechanisierung der Landwirtschaft und insgesamt der Wunsch der Untertanen im Ständestaat, die aussichtslosen Lebensbedingungen zu verbessern.
Es emigrierten nicht die Allerärmsten, die sich in unmittelbarer sozialer Not befanden. Bei großer Sparsamkeit und der ländlichen Nähe zur Naturalversorgung war die Möglichkeit, die Wirtschaftsemigration zu finanzieren, immerhin möglich.
Die meisten Mecklenburger reisten mit Segelschiffen, dann mit Dampfseglern ab Hamburg. Die Fahrzeit konnte von 43 Tagen auf später ca.14 Tage reduziert werden. Wegen mehrerer konkurrierender Linien stieg der Unterbringungs- und Versorgungsstandard und sanken die Preise. Damit konnten besonders anfangs auf den Schiffen ausbrechende Krankheiten zurückgedrängt werden.

Die Mecklenburger, wohl Deutsche allgemein, siedelten in den USA wesentlich im „Deutschen Dreieck“, zwischen Milwaukee, St. Louis und Cincinnati. Die indianischen Ureinwohner waren zu dieser Zeit bereits vertrieben.
In etlichen Staaten des mittleren Westens wurde damit zunächst vorwiegend deutsch gesprochen. Dort entstanden auf diese Art geprägte, dennoch herkunftsgemischte Siedlungsviertel mit eigenen Schulen und Kirchen.
Die Mecklenburger hatten als Arbeitskräfte aus dem landwirtschaftlichen Bereich vorrangig EIN Ziel: ein Stück Land als Eigentum, das sie bei tatkräftigem Einsatz ernähren konnte. Nach ihrer Lebenserfahrung in der feudalen Heimat sollte es jedenfalls kein PACHTland sein.

Anmerkungen/ Quellen

Die verschiedenen, ausschließlich handschriftlichen Quellen überschneiden sich zum Teil. Sie bestätigen sich damit, widersprechen sich aber auch in Details oder sind erkennbar fehlerhaft. Das liegt wohl daran, dass die Angaben nach den mündlichen Auskünften der großteils lese- und schreibunkundigen Auswanderer bzw. bei den Volkszählungen der Bewohner aufgezeichnet worden sind. Also geschrieben wie gesprochen. Manche Bezeichnungen waren auch interessengesteuert. Dazu kommt, dass die hier verwendeten Quellen nicht vollständig sein müssen. Gegenwärtige Übertragungsfehler der handschriftlichen Registraturen, Schreibweisen der Namen in Varianten, vielfach gleich lautende Vornamen in den Familien und teilweise fehlende Kirchenbucheintragungen führen zu weiteren Schwierigkeiten.

(1) Die Fakten zur Familie Jens, insbesondere Friedrich, lieferten freundlicherweise Nachfahren, insbesondere Dan Jens, Maryland

(2) Im Mecklenburgischen Landeshauptarchiv existieren Listen zur Erteilung von Auswanderungskonsensen, jedenfalls von 1863 bis 1914 und Auswandererlisten von 1852 bis 1908, die Jene registrierten, die sich abmeldeten.

Ebenfalls gibt es dort die verschiedenen Volkszählungslisten, die online zu benutzen sind über www.ancestry.de, einem kostenpflichtigen Abonnement, speziell für gescannte deutsche Dokumente sehr günstig abzuwickeln, wenn man schnell und intensiv arbeitet, ausweitbar auch auf internationale Dokumente, siehe (3b):

(3a) Mager,. F., Geschichte des Bauerntums und der Bodenkultur im Lande Mecklenburg, Berlin, 1955, S. 391

(3b) Passagierlisten zur Abfahrt aus Hamburg (Archiv der Stadt Hamburg), Volkszählungslisten aus Mecklenburg, Passagierlisten aus den USA und von Nutzern eingestellte US-Volkszählungsseiten sowie Fotos von eingewanderten Personen

(4) Stadtarchiv Röbel, Registraturlisten der dort tätigen Auswanderungsagenturen 1852-1872, KNr.182,V9-11, Nr.813

(5) Gillhoff, J., Jürnjacob Swehn, der Amerikafahrer, (zuerst 1917), München, 1978, Text auch im Netz. Hier wird nur aus jenen Passagen der Briefe an den alten Lehrer in Mecklenburg zitiert und mit dem authentischen Verfassernamen Carl Wiedow (1847-1913), nahe Ludwigslust geboren, verbunden, die nach Elton L.Knuth, siehe (9), als sehr wahrscheinlich auch von diesem verfasst worden waren.

(6) Back to the Roots, Wanderungen von und nach Mecklenburg, Gründe, Richtungen und Folgen mecklenburgischer Migration, Kolloquiumsmaterialien 1995/96 ,
darin u.a. : Lubinski,A., Massenauswanderung aus Mecklenburg im 19. Jahrhundert/ Franke,N., Gesetzliche Regelungen von Freizügigkeit in und Auswanderung aus Mecklenburg, Eine Auswahl aus den Jahren 1645 bis 1890

(7) Mager, F.,wie (3a, S. 392)

(8) Lubinski, A., Aus dem Untertanenverband entlassen. Die Amerikaauswanderung aus Mecklenburg-Strelitz im 19. Jahrhundert, Osnabrück, 1997, S.28

(9) Knuth, E., Auf den Spuren von Jürnjakob Swehn oder Wer hat jene Briefe geschrieben? Rostock 2005

(10) Mager, F., wie (3a), S.391

(11) Lubinski, A., wie (8), S.115

(12) Glaser, R., Universität Freiburg, Scinexx.de, 12.10.2018

(13) Mager, F., wie (3a),S.396

(14) Lubinski, A., wie (8), S.8

(15) Lubinski, A., Mecklenburg Magazin Extra 24/ 1994, S.8

(16) Jackewitz, R.,Müritz-Anzeiger,4 (5/7), 2009

(17) Lubinski, A., wie (15), S.9

(18) Knuth, E., wie (9),S.10

(19) Knuth, E., wie (9), S.11

(20) Knuth, E., wie (9), S.12

(21) Lubinski, A., wie (8), S.264

(22) Blaschka-Eick,S., In die Neue Welt! Deutsche Auswanderer in drei Jahrhunderten, Hamburg 2010, S. 202

Wer sich für die besonderen Bedingungen der Amerikaauswanderung im 19.Jahrhundert interessiert, sei auf zwei sehr breit angelegte Filmepen hingewiesen, die auf DVD zu beziehen sind:
Troell, J.,“Die Auswanderer“(184 Min.) und „Die neue Heimat“(194 Min.), Schweden, 1971 bzw. 1972
und vom Hunsrück nach Brasilien: Reitz, E., „Die andere Heimat“(220 Min.),Deutschland 2013

weitere Literatur:

Borchmann, R., Es ist entschieden, ich reise! Aus dem Tagebuch eines Auswanderers, in: MM 14/1994

Buchmann, L., Migration in Mecklenburg, Pommern und Vorpommern im 19. und 20.Jahrhundert, Dissertation, Rostock 2009

Die beiden interessanten Museen zum Thema in Deutschland sind:
Ballinstadt Hamburg, www.ballinstadt.de

Deutsches Auswandererhaus Bremerhaven, www.dah-bremerhaven.de