Bad Stuer, Postkarte um 1900, bearbeitet, gelaufen 1907

Bad Stuer-Die Anfänge

Bad Stuer- Die Anfänge

Die Gegend an der Südspitze des Plauer Sees war schon in der Jungsteinzeit, also vor vier- bis fünftausend Jahren, besiedelt. Darauf weist eine (wann?) zerstörte Großstein-Grabanlage auf der Anhöhe oberhalb des großen Sees und von Bad Stuer hin.

Grabanlage, Foto, 2020 (1)

Die Hintermühle

„Bad Stuer“, als einer von vier Ortsteilen von Stuer, hatte in der Neuzeit als Keimzelle die Stuersche Hintermühle.

Die Anlage von Wassermühlen, die nach der deutschen Besiedlung eingeführt wurden, begann in Stuer vor 1340 mit der „Burgmühle“. Diese dürfte sehr wahrscheinlich in unmittelbarer Nähe zur Turmhügelburg und dem Ortskern von Stuer gelegen haben. Eine zu dieser Zeit wertvolle Anlage, weiter entfernt von einer Verteidigungsfiliale, wäre eher unwahrscheinlich. Noch um 1587 gehörte diese Mühle zum Inventar, daneben schon eine weitere Stuersche Mühle. (2).

Wann die später so genannten Vorder- und Hintermühle angelegt worden sind, geht daraus nicht hervor.
Im Jahr 1667, also nach dem Dreißigjährigen Krieg, wurde eine Ober (heutige Vorder-?)mühle genannt. Eine Unter (heutige Hinter-?)mühle wird als zerstört registriert(3). Vermutlich zwischen 1667 und 1700 könnte in Seenähe eine neue Mühle angelegt worden sein. Ob sie schon damals einen Vorgängerbau hatte, wissen wir nicht.
( Eine eigene Seite zu den Mühlen in Stuer ist geplant, weil in Stuer an wenigstens acht Standorten Mühlen von steinzeitlicher Reibemühle über Wasser- und Windmühle, bis zur Windturbine im 20. Jahrhundert nachweisbar sind. Damit dürfte der Ort gegenüber der weiten dörflichen Umgebung eine Besonderheit darstellen.)

Atlas Hoinkhusen,1700,Ausschnitt, Mühlen Stuer

Atlas des Bertram Christian von Hoinkhusen, 1700, Ausschnitt (4) 

Spätestens zu diesem Zeitpunkt lässt sich dort eine Mühle ausmachen, für die 1703 mit dem Müller Schley fünf Einwohner registriert waren (5). Ebenfalls erkennbar ist hier die demzufolge als Obermühle bezeichnete Anlage.

Die in Seenähe gelegene Hintere Mühle wurde 1748 mit einem „Erb-Kauf-Kontrakt“ vom Gutsbesitzer von Flotow an Müller Hecht abgetreten. Diese Bezeichnung umschreibt, dass Müller Hecht in der Folge im Staatskalender als Gutsbesitzer geführt wurde. Demzufolge hatte er auch einen Lehneid und Lehntreue zu leisten. Das weist darauf hin, dass diese unabhängig vom Status des niederen Adels üblich waren.

Lehneid Erbmüller Hecht,Stuer,1754

Lehneid (6)

Bei dieser Übertragung gab es Streitigkeiten darüber, wieviel und welche Flurstücke einbezogen werden sollten.
In der Direktorialvermessung von 1756 waren linksseitig des Stauteiches vier Gebäude am Getreide-Mühlenstandort und ein Gebäude, der Altenteil-Katen, südöstlich gegenüber registriert worden.
Direktorialmessung (7):

 ) Direktorialkarte 1756, Detail
Auch am Standort der Sägemühle weiter bachaufwärts wird ein Gebäude linksseitig des Baches abgebildet mit dazugehörigem Stauteich. Das war auf der anderen Seite als die heute auffälligsten Fundamentruinen.

Abb.: 1825 (8):

Plan von der Stuer Hinter Mühle, kopiert 1825

 

 

MS-Staatskalender,1800 Erbmüller Hecht, Steuersache Hintermühle

Staatskalender 1800, Erbpächter Hecht (9) 
Zusätzliche Flächen waren 1765 zum Mühlenareal gelegt worden, dabei auch jene Fläche auf der die Sägemühle stand, so dass es zeitweilig etwa 75,6 Hektar umfasste.

Plan von demjenigen Theile des Gutes Stuer welcher zur Stuerschen Hinter Mühle gelegt ist. Aus der Directorial Karte von Stuer extrahiert, 1835, LHA SN 5.12-9/9, Nr. 4039b

Plan von 1835 (10) 

Von der Brandkassen-Versicherung wurden bei der Gebäudetaxation 1791 insgesamt sieben Gebäude beschrieben: Wohnhaus mit Mühle, zwei Ställe, Scheune und gegenüber dem Mühlenteich am Hang, ein Katen (Altenteil) mit Stall, dazu oberhalb die Schneide-Mühle.(11)

Am 27. Oktober 1866 brannten zwei Mühlengebäude, offenbar mit Totalschaden, gleichzeitig ab: Die Sägemühle (15,4x 4,7m) und eine „kleine Mühle“ (7,2x 4,7m), vermutlich die Ölmühle (12). Noch heute lassen sich einige Maße davon linksseitig der Beek nachvollziehen.

Linksseitige Reste der ursprünglichen Sähe- und Ölmühle, Stuer Hintermühle,Foto Doese, 2020

Ältere Mühlenreste, Foto 2020 (13)

Sie dürften wegen gleicher Breitenmaße eng aneinander gelegen haben und oberhalb der Fundamente vollständig aus Holz gewesen sein.

In diesem Zusammenhang ist erwähnenswert, dass 1857 eine Windmühle oberhalb der Sägemühle auf dem Berg, also dem Gutsgelände (Hagemeister > Flotow) aktenkundig war. Wie lange sie bestand, ist noch unklar.

Die Sägemühle muß danach wieder aufgebaut worden sein und zwar rechtsseitig der Beek, wobei die bachseitige Wand der alten Mühle vermutlich in die Überdachung des Mühlrades einbezogen wurde.
Bei Zensus im Dezember 1867 ist in der Hintermühle dann auch ein Mühlenbauer aus Preußen registriert worden!

Gutsbesitzer und Müller, datunter: Mühlenbauer (14).

 Zensus von 1867,Stuersche Hintermühle, LHA SN
Von dieser sind die Fundamente noch heute auszumachen. Sie war wohl ebenfalls oberhalb der Fundamente bzw. der mit dem Wasser in Berührung kommenden Teile eine Holzkonstruktion. Ihre Gestalt ist auf einer Karte von 1875/78 zu erkennen. (Fundament : 11,6x 9,3 m ).

Plan von den zur Wasserheilanstalt Stuer vererbpachteten Ländereien, kopiert nach der Stuerschen Charte de 1875 i. Jahre 1878, LHA SN 5.12-9/9, Nr.4039a

Detail aus Karte (15)

Sruer,Eisvogeltal Fundament- und Kellerrreste der nach 1866 errichteten Mühle, Foto Doese 2020

Foto, 2020 (16)

Bisher ist unbekannt, wie lange diese Bestand hatte, warum und wann sie aufgegeben wurde. Später wurden Fotos vom „Wasserfall“ in Stuer vertrieben.

Ruine d.Sägemühle Stuer, Postkarte um 1900

Postk., etwa 1910 (17)

Der heutige entfernt lebende Eigentümer ist mit der Sorgfaltspflicht für dieses eingetragene Denkmal, ebenso wie mit dem umgebenden Wald, erkennbar überfordert.

Mühlenensemble der Hintermühle am Anfang des 20.Jh. (18), Mühlrad und derzeitige Wegführung:

Stuersche Korn-Hintermühle, Postkarte um 1910, Nühlrad und Wegeführung
Aus dem 1791 genannten, der Kornmühle gegenüber liegenden Katen, entstand später die Gaststätte und wurde 1891 als „Schenkwirtschaft“ erwähnt. Als Betreiber werden genannt Timpert (1909), der auch beim Zensus im Dezember 1900 in Güstrow wohnend, aber in Stuer geboren, als Badeanstaltbesitzer gezählt wurde.

Zensus 1900, Timpert ! (wohl als Pächter einer Badeanstalt, nicht der Wasserheilanstalt) (19):

 Zensus 1900, Stuer-Hintermühle, Gastwirt Timpert, LHA SN, Detail

Schankwirtschaft Timpert, Stuer Hintermühle, Postkarte um 1900

Postkarte um 1900, Restaurant Timper (20)

Weitere Pächter waren Lubach (dabei erste werbewirksame Überschrift „Schweig mir von Rom“), Fischer (1916), Café Hubertus, Nestler (hier ohne sichere Reihenfolge und Vollständigkeit genannt). Die Anekdote, die zu diesem ironisch weltläufigen Markennamen geführt haben soll, wird vor Ort sicher gern erzählt. Die putzige Geschichte von der Wette, die sich auf einen in dem nahen Ort Rom lebenden Schmied, namens Papst, bezog, hatte vermutlich einen allgemeinen politischen Hintergrund: Den deutsch-preußischen „Kulturkampf“, voran Bismarcks, gegen des katholisch- päpstlichen Einfluss, genannt auch Ultramontanismus.

Das spätere „Romi“ wurde nach Privatisierung in den 1990er Jahren wegen Baufälligkeit abgetragen und ist erkennbar an der entstandenen Lücke zwischen dem umgebauten Anbau aus den 1960er Jahren und dem 1962 errichteten Saalbau.

Die vierte Generation der Müllerfamilie Hecht verkaufte nach Streitereien 1912 an Jürgen von Flotow. Auch da wurde wieder und noch immer vom Gutsbesitzer mit den mittelalterlichen Vasallenfloskeln dem Herzog, also dem Obereigentümer, untertänigste Lehntreue geschworen (21).
Im Zusammenhang mit diesem Verkauf entstand, nun auf Flotowschem Gelände, die Villa Hecht (Seeufer 9). Sie soll als Altenteil für den Mühlenbetreiber in vierter Generation vor den am Hang angelegten parkartigen Gartenanlagen gedient haben.

In der Hintermühle wurde bis in die 1960er Jahre Korn gemahlen, ungewiß bisher allerdings ob mit Wasser oder schon Strom getrieben.

Der Betrieb der Vordermühle (Henningsmühle) dagegen, in der 1891 ebenfalls ein „Krug“ registriert war, wurde 1904 eingestellt und existierte als Forsthaus weiter (22).

Nach dem Abriß von Stallanlagen und dem Speicher gegenüber, wurde die Anlage der Hintermühle nach 1973, nun als Hotel mit anderen Abmessungen und Achsen vollständig umgebaut. Als Zitat der Mühle wurden Teile der dem Mühlbach zugewandten Seite des Wohn- und Mühlengebäudes erhalten. Inzwischen ist auch das nachgebaute Mühlrad verschwunden.

Reste der in 1970eer Jahren abgetragene Stuersche Hintermühle(Kornmühle)Foto 2020

Mühlenzitat, Zustand 2020 (23)

Anfang der 1970er Jahre wurde ein neben der Mühle gelegener Hügel abgetragen und als Straße durch das Feuchtgebiet aufgeschüttet. Damit änderte sich auch die Wegeführung, die vorher im Bogen unmittelbar an der Mühle vorbei führte.

Stuer Hintermühle, Postkarte um 1900, gelaufen 1913,inzw.zum Straßenbau abgetragener Hügel

Postkarte um 1900 (24)

Die Wasserheilanstalt

Am südlichen Ende des Plauer Sees, unweit der Hintermühle hatte Mitte des 19. Jh. der damalige Gutsbesitzer L. Hagemeister (dort 1841-53) eine Badeanstalt installieren lassen.

Der umtriebige J.H. Francke, Sohn des Dompredigers und Superintendenten in Güstrow, hatte nach abgebrochenem Studium der Theologie- und der Forstwissenschaft und Aufenthalten in England und Nordamerika eine Geschäftsidee. Kurz bevor er eine „Wasserkuranstalt“ für Betuchte in der Schweiz gedachte einzurichten, entdeckte er die bergige und quellenreiche Gegend am Plauer See. Hier traten aus 60 bis 80 Meter hohen Hängen Wasserquellen an Licht. Zunächst wurde er mit dem damaligen Suckower Gutsbesitzer Zollenkopf einig, zog aber nach Improvisationen dort Anfang 1845 zum o.g. Gutsbesitzer Hagemeister nach Stuer um und übernahm die Pachtung. Der ließ im Frühjahr 1846 ein Fachwerkhaus als Kurhaus fertigstellen. Darin waren 18 Baderäume, 18 Logierzimmer, vier Dachkammern und ein Speisesaal.  (25)

Bad Stuer nach 1845; Stich

Beginn 1845 (26)
Francke hatte ein sehr eigenes Konzept, wie der Jahresbericht von 1846 in der Badeordnung beispielhaft erkennen lässt:
„Jeder Kurgast hat aufs Strengste alle diejenigen Genüsse, Einflüsse und Anstrengungen zu vermeiden, die ihm vom Direktor der Anstalt als schädlich bezeichnet sind. Dahin gehören für alle Patienten, während der eigentlichen Wasserkur, die berauschenden und gewürzhaften Getränke, das Spiel um Geld, der Genuss der physischen Liebe, bedeutende geistige Anstrengung, Ärger, Verdruß und Kummer. Es muß auch jede geschlechtliche Aufregung, sei es eine Aufregung durch den Umgang mit üppigen Personen, sei es eine Aufregung durch die Phantasie, und noch mehr jede unnatürliche Geschlechtsbefriedigung vermieden werden. – Für die meisten Patienten ist während der Wasserkur auch das Tanzen schädlich.“
(27)
Schon 1847 verließ Francke Stuer, um bei Wittenburg Ähnliches zu versuchen. Er überließ das Bad seinem „Gehülfsarzt“ Kahl, der 1852 von dem Plauer Arzt Maas abgelöst wurde. Die Anstalt, die inzwischen wieder von Flotow gehörte, pachtete 1862 Gustav Bardey, dessen Brüder Ärzte, Pastoren und Mathematiker waren.

Bad Stuer nach 1850, Stich

Bad Stuer nach 1850 ?, Stich, (28)

Er war davor in Rummelsburg bei Berlin Gärtner und ließ in den 1870er Jahren auf den Hügeln Wald pflanzen und Wege anlegen, die verschiedenen Quellen ( Raussequelle, genannt nach dem Pseudonym von Francke, Andreasbrunnen, Charlottenquelle) einfassen, Unterstände und Bänke (z.b. auf der Elisabethhöhe) aufstellen.

Bad Stuer,angelegte Wege um 1900, Postkarte

Postkarte um 1900 (29)

Bad Stuer,Waldwegrudimente,2020

Foto 2020, Alter Weg (30)
So waren in einer gärtnerisch gestalteten Landschaft, in der Raabe allerdings um 1857 schon eine mit Buchenwald bestandene Niederung vorfand (31), eine Vielzahl gepflegter Spazierwege entstanden, die noch heute zum Teil erkennbar sind.

Bad Stuer,angelegte Wege um 1900, Postkarte

Postkarte um 1900 (32)
1865 wurden Anfang Dezember (!) im Bereich der Wasserheilanstalt im Hause Bardey 15 Familienmitglieder und Angestellte gezählt, dazu noch 10 Kurgäste. Bei der Hechtschen Mühle waren es 13/ 2/ 2 Einwohner bestehend aus Familie und Angestellten, womit sich bei der Zählung insgesamt 42 Anwesende ergaben (33).

Wasserheilanstalt Bad Stuer, letzte Jahrzehnte 19.Jh.

Badehäuser in letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts, Stich (34)

Etwa 1875/77 konnte Bardey das Gelände, gelegen auf dem Gelände des Gutes Stuer, in Erbpacht umwandeln. Es ist wahrscheinlich, daß er dabei auch die Gebäude kaufte, die sich als ein Sammelsurium unterschiedlicher Höhen, Bauweisen und Baustile aneinander schmiegten.

Plan von demjenigen Theile des Gutes Stuer welcher zur Stuerschen Hinter Mühle gelegt ist. Aus der Directorial Karte von Stuer extrahiert, 1835, LHA SN 5.12-9/9, Nr. 4039b

Karte zur Erbpacht (35)

In dieser Gesamtansicht von 1875 ist die spätere(?) „Schenkwirtschaft“ im Bereich des Gutes Hintermühle zu erkennen, dahinter ein noch kleiner Kiesabbau am Beginn des Eisvogel-Tales. Ein Stück weg ist die neu angelegte Säge(Mittel-)mühle zu sehen.
Spazierwege und Baumpflanzungen der Wasserheilanstalt sind bereits eingezeichnet, ebenso wie die Rausse- und die Charlottenquelle. Am Seeufer ist ein Steg verzeichnet. Sämtliche Villen fehlen noch.

Bad-Stuer,Kurhaus um 1900

Kurhaus um 1900, Ansicht v. See (36)

Mit der Sicherheit der Erbpacht ließ Gustav Bardey die „Villa Bardey,“ auch Haus Amalie, dem Vornamen seiner Frau, am Hang bauen (heute Seeufer 11). (37)

Bad-Stuer, Villa Bardey vor 1890,Postkarte,Ausschnitt

Ein Bekannter Bardeys, Dr. Sührsen, ließ sich 1877 gegenüber auf dem Gelände, das damals zum Gut Hintermühle gehörte, die Parkvilla bauen (heute Seeufer 17). Diese wurde 1906 an Dr. Bardey verkauft und winterfest umgebaut. (Foto Villa?) (38)

1879 hatte Sührsen, ein Zahnarzt, der nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1871 mit der Entwicklung von Prothesen zu Geld gekommen war, auch ein Dampfboot für 20 Personen angeschafft. Dies war möglicherweise angeregt durch das erste Dampfboot für die Mecklenburgischen Seen, ca.25 Jahre vorher, vom technischen Erfinder Dr. Alban aus Plau. Schon aus dieser Zeit soll es eine Dampferanlegestelle gegeben haben.

Kurhaus, Wasserheilanstalt Bad Stuer, Postkarte um 1900, Terasse

Postkarte um 1900 (39)
Der Sohn Bardeys, Hans übernahm nach seinem Medizinstudium und der Promotion 1891 die Einrichtung von seinem Vater. 1895 gab es bereits 80 Logierzimmer, auch im Winterbetrieb. Mit der inzwischen modernen Kneipp-Kur wurden vor allem Nervenkranke mit Luft-, Sonnen- und Wasserkuren behandelt.

Poststempel BAD STUER, 1905

Dr. Bardey ließ 1896, rechts neben der Villa des Vaters, die „Bergvilla“ bauen (heute Seeufer 10).

Die derzeit ersonnene Wasserversorgung durch Quellen tat ihren Dienst bis 1979. Ein eigenes Aggregat zur Stromerzeugung errichtete Bardey schon 1896. (Zum Vergleich: das Dorf Stuer wurde 1953 an des Energienetz angeschlossen.) Neben dem dazu dienlichen „Maschinenhaus“, das auch eine Dampfheizung beinhaltete, war eine Fachwerkscheune aufgestellt worden (heute Seeufer 12). Dazwischen bestand im Berg ein Eiskeller.

Wasserheilanstalt Bad Stuer, Postkarte um 1900, gelaufen 1905

Postkarte um 1900 mit Scheune (40)

Mecklenburgischer Staatskalender 1908, Ausschnitt, v. Flotow, Stuer

Staatskalender 1908, von Flotow, Wasserheilanstalt im Bestand (41)

Mit dem Ausbruch des 1.Weltkrieges und dem Militärdienst von Dr. Bardey endete der Kurbetrieb.
Wo vorher bis zu 120 Kurgäste sich erholen konnten, waren zwischen 1915 und 1918 zeitweilig jeweils 150 russische und französische Offiziere als Kriegsgefangene interniert.

Im Dezember 1919 lebten im Mühlengehöft der Gutspächter und Müller Misch mit 11 Personen, darunter zwei russische Kriegsgefangene. In der Villa Hecht lebten drei Menschen und in der Berg-Villa von Dr.Bardey 18 Personen aus verschiedenen Gegenden, ähnlich wie in der Mühle nebenan, darunter auch zwei russische Kriegsgefangene.
Es könnte sein, dass dies bereits der Anfang von einem Hotelbetrieb war.
So kamen nach dem Krieg in diesem Ortsteil, der im Dokument zu dieser Zeit insgesamt als Hintermühle bezeichnet wurde, zum Zeitpunkt der Zählung mit noch zehn weiteren Personen, die in zwei Katenwohnungen lebten und im Kruggehöft von Gastwirt Lüdders (Karte Lüdders) mit vier Personen, 52 Personen zusammen.
(zum Vergleich: In Neu-Stuer beim Gutsbesitzer Capsius waren dreißig Gefangene registriert worden, die dort mit 24 polnischen Schnittern untergebracht waren, in Vorwerk bei Flotows waren es zehn). (42)

Wann und warum der Mittelbau des Kurhauskomplexes abgetragen wurde, ist noch nicht geklärt. Dies bot dann Platz für den Apellplatz einer anschließenden paramilitärischen Nutzung durch die SA- Führerschule der „Gruppe Ostsee“, angelegt durch Andreas von Flotow.

Wasserheilanstalt Bad Stuer, Badehäuser, im 1900

Badehäuser um 1910? mit Mittelbau, Postkarte (43)

Im Jahr 1931 wurde die Liegenschaft der Wasserheilanstalt von Flotow an Dr.Bardey verkauft, also der Erbpachtvertrag ersetzt.

Bad Stuer, Wasserheilanstalt, Badehäuser u. Parkvilla, Postkarte um 1900

Ansicht vor Abbau des Mittelgebäudes, Postkarte (44)

1934 bis 1937 boten die Gebäude Unterkunft für den „Reichsarbeitsdienst“, der versuchte den Sturer See ein weiteres Mal trocken zu legen.
An der Fassade prangte die Parole: „Alles für Deutschland“. Das aufgeblähte ALLES war schließlich etwas zu viel und tat offenbar weder Deutschland, noch der Welt gut.
In der Konsequenz führte das auch dazu, daß allein in Bad Stuer nach dem 2. Weltkrieg 30 Umsiedlerfamilien unterkommen mußten.

Bad Stuer, Steg mit Perspektive, Postkarte 1930er Jahre, gelaufen 1936

Perspektive 1936, Postkarte (45)

In der Folgezeit entstanden zahlreiche Parzellierungen, vor allem auf der Seite der Hintermühle, für Ferienunterkünfte und -lager verschiedener Rechtsträger, Hotel- und Campingplatzbetreiber.

Zusammenfassung

Die erste eindeutig dokumentierte neuzeitliche Wassermühle existierte in Seenähe um 1700.
Diese Hecht-Mühle wurde später etwa 150 Jahre lang als eigenständiges Lehngut betrieben. Als Kornmühle war sie in den frühen 1970er Jahren ab- und umgebaut worden.
Die zugehörige abgebrannte Mittelmühle wurde nach 1866 auf der anderen Seite der Beek ersetzt.
Der zur Mühle gehörige Katen entwickelte sich von einer Schankwirtschaft zur Gaststätte „Schweig mir von Rom“ (ROMI), die von verschiedenen Pächtern betriebenen wurde.
Die Wasserheilanstalt begann 1846, später gepachtet und geleitet von G. Bardey, der die Umgebung gestalten und bepflanzen ließ und 1877 in Erbpacht übernahm. In der Folge wurden bis 1913 vier Villen, davon drei am Hang, gebaut. Der Kurbetrieb endete 1914.

Erstellt im Juni 2020

Quellen und Anlagen

( die Angaben sind vorläufig, weil noch einige Spezifikationen ausstehen, Juni 2020)

( 0 ) Aufmacher: Postkarte um 1900, bearbeitet, gelaufen 1907
( 1 ) Zerstörtes Großsteingrab, Foto Doese, 2020 ( 53°23’18.00“N / 12°19’06.71“O )
( 2) Zit. in: Schlie, F., Die Kunst und Geschichts-Denkmäler des Grossherzogtums Mecklenburg-Schwerin, V. Band, 1902, S. 446
(3) . . .
(4) Atlas des Bertram Christian von Hoinkhusen , 1700, Ausschnitt, Hier werden zwei weitere Wassermühlen in der Umgebung gezeigt (Dresenow, Twietfort)       © Landesamt für innere Verwaltung Mecklenburg-Vorpommern; Genehmigung.-Nr. H / 01 / 2006
(5) Martiniliste, . . .
(6) Lehneid Hecht, 1754, LHA SN LehnaktenII 619
(7) Direktorialkarte 1756, Detail, LHA SN
(8) Plan von der Stuer Hinter Mühle, kopiert 1825, LHA SN 5.122-9/9, Nr. 4039b, genordet, Ausschnitt
(9) Staatskalender 1800 Erbmüller Hecht, Steuersche Hintermühle
(10) Plan von demjenigen Theile des Gutes Stuer welcher zur Stuerschen Hinter Mühle gelegt ist. Aus der Directorial Karte von Stuer extrahiert, 1835, LHA SN 5.12-9/9, Nr. 4039b
(11) 1797, Feuerakte
(12) 1866, Brandprotokoll
(13) Linksseitige Reste der ursprünglichen Mühle, Foto Doese, 2020
(14) Zensus von 1867, LHA SN, Detail
(15) Detail aus (35), Plan der vererbpachteten Ländereien

( 16) Fundament- und Kellerrreste der nach 1866 errichteten Mühle auf der anderen Seite der Beek, Foto Doese 2020
(17) Postkarte um 1910
(18) Postkarte um 1910

(19) Zensus 1900, LHA SN, Detail
(20) Postkarte um 1900, Restaurant Timper
(21) LHA SN Lehnakten III 796
(22) MS.-Staatskalender, 1891
(23) Bauliche Zitate des ehemaligen Mühlengebäudes aus dem 19. Jahrhundert, zur Zeit ohne Mühlradatrappe, Foto 2020 Doese
(24) Postkarte um 1900, Wohnteil des Mühlengebäudes mit inzwischen abgetragenem Hügel

(25) Prignitz, H., MMagazin 16 ,1994, S. 9,
(26) Wasserheilanstalt nach 1845 mit teils phantasievoll dargestellten Bauten   (27) „Beschreibung der von dem Verfasser gegründeten und dirigierten Wasserheilanstalt zu Stuer bei Plau in Mecklenburg“ von J.H.Rausse, Zeitz, 1846: /books.google.de/books?id=tqdkAAAAcAAJ&pg=PA45&dq=Stuer+,&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwj9-rfuyIrZAhVFK1AKHQ8SD80Q6AEIJzAA#v=onepage&q=Stuer %2C&f=false
(28) Bad Stuer nach 1850 ?, Stich

(29) Postkarte um 1900
(30) Alte Wege, Foto Doese, 2020
(31) Raabe, W., Mecklenburgische Vaterlandskunde, Erster Teil, 1857,S.740
(32) Postkarte um 1900
(33) Zensus 1865                                                                                                                 (34) Ansicht der Badehäuser um 1880?
(35) Plan von den zur Wasserheilanstalt Stuer vererbpachteten Ländereien, kopiert nach der Stuerschen Charte de 1875 i. Jahre 1878, LHA SN 5.12-9/9, Nr.4039a
(36) Kurhaus um 1900
(37) Die alte Villa Bardey, Postkarte um 1900, Detail
(38) ? Parkvilla
(39) Postkarte um 1900
(40) Postkarte um 1900 Sicht zu See, gelaufen 1905
(41) Mecklenburgischer Staatskalender 1908, Ausschnitt
(42) Zensus von 1919, Hintermühle, Stuer

(43) Badehäuser um 1910?, Mittelbau vor Abbau
(44) Postkarte um 1900
(45) Postkarte 1930er Jahr, Steg

Anhang

Eine wohl fälschlich Stuer-Hintermühle zugeordnete Mühle, Postkarte 1930er Jahre

(46) Eine Stuer, auch der Vordermühle, nicht zuordbaren (?) Ansicht, Postkarte, 1930er Jahre,

Ruine der Mittelmühle phantasierte mit langer Belichtung unreale Wassermengen, Postkarte, 1930er Jahre

(47) Die aufgeblasene Aufnahme der Ruine der Mittelmühle phantasierte mit langer Belichtung unreale Wassermengen, Postkarte, 1930er Jahre